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Madhouse Magazin

Was verträgt Isopropanol? Materialkunde fürs Reinigen

Glas, Silikon, Acryl, Alu, Holz: was der Alkohol darf und wo er Schaden anrichtet
09.09.2026 · 12 Min. Lesezeit
9. September 2026 durch
Was verträgt Isopropanol? Materialkunde fürs Reinigen
Administrator

Isopropanol ist das beste Hausmittel gegen Harz – und das schnellste Mittel, um eine Silikonbong, einen Acryldeckel oder einen Holzgrinder zu ruinieren. Diese Materialkunde sagt dir vor dem Einlegen, was der Alkohol verträgt und was nicht.

Verschlossenes Glas mit Reinigungsalkohol und grobem Salz, darin liegen Chillum und Glaskopf
Glas und Stahl dürfen beliebig lange im Alkohol liegen. Bei allem anderen wird es interessant.

Was Isopropanol überhaupt macht

Isopropanol (2-Propanol) ist ein kurzkettiger Alkohol. Er löst unpolare Stoffe – also genau das, was sich in einer Bong festsetzt: Harze, Teere, Fette, Öle. Wasser kann das nicht, Spülmittel nur zum Teil. Deshalb ist Iso in fast jeder Reinigungsanleitung die erste Wahl.

Dieselbe Eigenschaft ist aber auch das Problem. Ein Lösungsmittel unterscheidet nicht zwischen Harz und Kunststoff. Wo ein Werkstoff selbst aus langen organischen Ketten besteht, greift der Alkohol mit an: Er zieht Weichmacher heraus, quillt das Material auf oder erzeugt feine Spannungsrisse. Bei Glas und Stahl passiert nichts, bei Acryl passiert es in Sekunden.

Kurz gesagt: Iso ist kein Allzweckreiniger, sondern ein Harzlöser. Wer das im Kopf hat, macht bei der Reinigung fast nichts mehr falsch.

Die Materialtabelle

Wir haben zusammengetragen, was uns im Laden am häufigsten unter die Finger kommt – sortiert nach dem, was du damit machen darfst.

Grün: einlegen, schütteln, stehen lassen

  • Borosilikatglas. Chemisch inert gegenüber Alkoholen. Bong, Chillum, Kopf, Vorkühler, Glassiebe – alles darf beliebig lange baden. Einzige Grenze ist die Temperatur, nicht der Alkohol: kaltes Glas nie mit kochendem Wasser fluten.
  • Edelstahl und Titan. Siebe, Hängesiebe, Titan-Nagel, Schrauben. Iso löst Harz und hinterlässt keine Korrosion. Danach trocken reiben, sonst bleiben Wasserflecken.
  • Glasierte Keramik. Köpfe und Keramik-Grinderscheiben vertragen das Bad, solange die Glasur unbeschädigt ist. Bei unglasierter Keramik saugt der poröse Scherben den Alkohol auf – dann gilt: nur kurz, danach lange ablüften.

Gelb: kurz ja, über Nacht nein

  • Aluminium, eloxiert. Der klassische Grinder. Zehn bis zwanzig Minuten sind unkritisch. Tagelanges Einlegen kann die Eloxalschicht stumpf werden lassen, vor allem an den Gängen. Bunt eloxierte Grinder verlieren dabei zuerst die Farbe.
  • POM (Delrin), Nylon, PTFE. Daraus bestehen die dünnen weißen Gleitringe im Grinderdeckel und viele Vaporizer-Kleinteile. Kurzer Kontakt ist unproblematisch, längeres Baden raut die Oberfläche auf, bis der Ring wellig wird und der Grinder hängt.
  • PEEK. Der Hochleistungskunststoff der Vaporizer-Kühleinheiten. Storz & Bickel gibt für die eigenen Geräte ausdrücklich maximal 30 Minuten in Isopropanol an, danach gründlich mit warmem Wasser spülen. Diese halbe Stunde ist keine Schikane, sondern die Grenze, ab der das Material Geruch annimmt.
  • Gummidichtungen und O-Ringe (NBR, FKM/Viton). Kurz abwischen geht. Der Alkohol entfettet sie aber restlos – und ein trockener O-Ring reibt beim Einsetzen so stark, dass er quetscht oder reißt. Deshalb nach dem Reinigen mit einer winzigen Menge lebensmittelechtem Silikonfett benetzen.
Zwei Gruppen von Bauteilen nebeneinander: links Glas und Edelstahl, rechts Silikonstopfen, Acrylteil und Holzgrinder
Links darf ins Bad, rechts nicht: Glas und Stahl auf der einen Seite, Silikon, Acryl und Holz auf der anderen.

Rot: Finger weg

  • Acryl / PMMA (Plexiglas). Der häufigste Totalschaden. Acryl ist nicht lösungsmittelbeständig: Alkohol und erst recht Aceton erzeugen sofort feine Spannungsrisse, das sogenannte Crazing. Die Wandung wird milchig, später bröselig. Betroffen sind Acrylbongs, Acrylgrinder, Kickloch-Abdeckungen und viele Dosen. Stattdessen: lauwarmes Wasser mit mildem Spülmittel, notfalls Gebissreiniger-Tabletten.
  • Polycarbonat. Gleiche Geschichte, gleiche Risse. Klare Deckel und Sichtfenster gehören nie in Alkohol.
  • Silikon. Silikonelastomere sind porös und quellen bei längerem Lösungsmittelkontakt auf. Sie verlieren Form und Rückstellkraft, werden dauerhaft klebrig oder riechen noch Wochen später nach Alkohol. Silikonbongs, Silikonschläuche, Schliffstopfen, Silikondosen: nur kurz mit einem benetzten Tuch abwischen oder in klarem Wasser auskochen.
  • Echtholz. Holzgrinder, Holzpfeifen, Holzschäfte. Alkohol entzieht den Fasern Feuchtigkeit und die schützenden Natüröle. Das Holz bleicht aus, verzieht sich und reißt. Trocken ausbürsten, allenfalls minimal feucht wischen, danach mit etwas Holzwachs pflegen.
  • Lack, Bedruckung, Aufkleber, Siebdruck. Bedruckte Bongs, bedruckte Grinder, beschriftete Dosen: Der Alkohol löst die Farbe, oft schon beim ersten Wischen. Bedruckte Flächen aussparen.
  • Elektronik. Akkugeräte, Heizkammern mit Anschluss, Displays. Hier fließt Flüssigkeit über die Luftlöcher direkt auf die Platine. Nur mit einem leicht angefeuchteten Wattestäbchen arbeiten – nie tropfnass.

Was Isopropanol nicht kann

Zwei Verschmutzungen wirst du mit Alkohol nicht los, egal wie lange du schüttelst:

  • Kalk. Der milchige Rand an der Wasserlinie ist Calciumcarbonat – ein Mineral. Iso ist nicht sauer und reagiert damit überhaupt nicht. Dagegen hilft nur Saures: Zitronensäure oder verdünnte Essigessenz, kurz einwirken lassen, danach gründlich spülen.
  • Eingebrannte Zucker und Proteine. Wer schon einmal einen Grinder in Milch ausgekocht hat, kennt den Film, der danach bleibt. Der ist nicht harzig, sondern verbrannt – und geht mit Spülmittel und Bürste besser weg als mit Alkohol.

Und ein Klassiker der Hausmittel-Ecke: Essig und Natron zusammen sind kein Harzlöser. Es schäumt eindrucksvoll, weil sich Säure und Base zu Wasser, Natriumacetat und Kohlendioxid neutralisieren. Genau deshalb bleibt am Ende kaum Reinigungskraft übrig. Gegen Kalk nimm die Säure allein, gegen Harz den Alkohol allein.

So gehst du vor

1

Zerlegen und sortieren

Alles auseinandernehmen und in zwei Häufchen legen: Glas und Metall auf die eine Seite, Silikon, Kunststoff, Holz und alles Bedruckte auf die andere.

2

Dichtungen abnehmen

O-Ringe, Gleitringe und Silikondichtungen kommen vor dem Bad heraus. Sie sind in zwei Sekunden abgezogen und in zwei Minuten ruiniert.

3

Harzbad ansetzen

Glas- und Stahlteile in eine dicht verschließbare Dose, Iso drauf, zwei Esslöffel grobes Salz dazu. Das Salz löst sich in Alkohol nicht auf und wirkt als sanftes Scheuermittel.

4

Schütteln statt warten

Zwei bis drei Minuten kräftig schwenken. Der mechanische Anteil erledigt mehr als die Einwirkzeit – stundenlanges Stehenlassen bringt kaum etwas dazu.

5

Empfindliches nur wischen

Silikon, Kunststoff und Holz mit einem leicht benetzten Tuch abwischen oder in klarem Wasser reinigen. Elektronik nur mit dem Wattestäbchen, Gerät dabei kopfüber halten.

6

Spülen, trocknen, fetten

Alles mehrfach mit warmem Wasser spülen, bis nichts mehr riecht. Vollständig ablüften lassen, dann die O-Ringe hauchdünn nachfetten und wieder einsetzen.

Kniffe, die den Unterschied machen

Der Gleitring kommt vorher ab. Im Deckel fast jedes vierteiligen Alu-Grinders sitzt ein dünner weißer Ring aus POM oder Nylon. Er lässt sich mit dem Fingernagel abziehen. Bleibt er drin, raut ihn der Alkohol auf, der Ring wirft Wellen und der Grinder läuft danach schwer. Separat mit Seifenwasser reinigen.

Erst ins Gefrierfach, dann ins Bad. Eine halbe Stunde Kälte lässt das Harz im Grinder spröde werden. Danach kräftig auf ein Stück Backpapier klopfen und die Zähne mit einer trockenen Bürste ausfegen – was du so herausholst, landet nicht ungenutzt im Reiniger.

Vaporizer kopfüber wischen. Beim Auswischen der Füllkammer das Gerät mit der Kammer nach unten halten. Überschüssige Flüssigkeit läuft dann nach außen ab statt durch die Luftlöcher zur Elektronik.

Reiniger zweimal verwenden. Nach dem Bad die Teile herausheben, den Alkohol zurück in ein verschließbares Gefäß gießen. Zwei bis drei Durchgänge macht er problemlos mit – erst wenn er dunkel und trüb ist, wird er entsorgt.

Das Nachfetten nicht vergessen. Ein winziger Tupfer lebensmittelechtes Silikonfett auf dem sauberen O-Ring, verrieben zwischen zwei Fingern. Der Ring gleitet wieder in seine Nut, statt sich zu verdrehen.

Buersten in verschiedenen Groessen, Silikonstopfen und ein Set Edelstahlsiebe auf dunkler Schieferplatte
Das Werkzeug entscheidet mit: konische Bürste fürs Chillum, feine Drahtbürste für Siebe, Stopfen zum Verschließen.

Sicherheit: Iso ist ein Lösungsmittel, kein Spülwasser

  • Leicht entzündlich. Der Flammpunkt liegt bei etwa 12 °C, die Dämpfe sind schwerer als Luft und sammeln sich am Boden. Während der Reinigung nicht rauchen, kein Feuerzeug in der Nähe, keine offene Flamme im Raum.
  • Lüften. Fenster auf. Die Dämpfe reizen Augen und Atemwege, in geschlossenen Räumen macht das schnell Kopfschmerzen.
  • Haut. Iso entfettet auch die eigene Haut. Bei längerer Arbeit Handschuhe tragen.
  • Entsorgung. Kleine Restmengen stark verdünnt in den Abfluss sind üblich, größere Mengen und harzgesättigter Reiniger gehören zum Schadstoffmobil oder auf den Wertstoffhof.
  • Restlos spülen. Riecht ein Teil nach dem Trocknen noch nach Alkohol, war das Spülen zu kurz. Dann noch einmal.

Kurz gefasst

  • Glas, Edelstahl, Titan und glasierte Keramik dürfen beliebig lange im Iso baden.
  • Eloxiertes Aluminium, POM, Nylon, PTFE und PEEK vertragen kurze Bäder – PEEK laut Hersteller höchstens 30 Minuten.
  • Acryl, Polycarbonat, Silikon, Holz, Lack und Elektronik gehören nie ins Alkoholbad.
  • Gegen Kalk hilft Säure, gegen Harz hilft Alkohol. Beides zusammen bringt nichts.
  • Dichtungen vorher abnehmen, nachher hauchdünn fetten.

Alle Angaben nach bestem Wissen und für den Hausgebrauch. Herstellerangaben zum jeweiligen Gerät gehen im Zweifel vor. Unser Sortiment und dieses Magazin richten sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren.

Aus dem Laden

70 oder 99 Prozent? Für Harz ist 99,9 % die klar bessere Wahl: weniger Wasser heißt mehr Lösekraft und schnelleres Abtrocknen. 70 % ist als Desinfektionsmittel gedacht – für Mundstücke reicht das, für verharzte Bongs nicht.

Der Zettel am Regal. Wer mehrere Geräte hat, klebt sich am besten einen Streifen an den Schrank: Glas und Stahl ins Bad, alles Weiche und alles Bunte nur wischen. Das erspart den einen teuren Fehler.

Ersatzdichtungen lohnen sich. O-Ringe und Gleitringe kosten wenige Euro und altern ohnehin. Wer ein Set im Schrank hat, muss beim Reinigen nicht vorsichtig sein.

Häufige Fragen

Ist 70 % oder 99 % Isopropanol besser?

Zum Harzlösen 99,9 %. Der Wasseranteil in der 70er-Variante bremst die Lösekraft für unpolare Stoffe und verlängert das Abtrocknen. 70 % ist dafür das bessere Desinfektionsmittel – für Mundstücke und Oberflächen völlig ausreichend.

Kann ich statt Isopropanol auch Brennspiritus nehmen?

Er löst Harz ähnlich gut, enthält aber Vergällungsmittel und Bitterstoffe, die sich schlechter ausspülen lassen und einen Geschmack hinterlassen. Für alles, was in den Mund kommt, ist Isopropanol die sauberere Lösung.

Meine Silikonbong riecht nach dem Reinigen nach Alkohol. Was tun?

Silikon hat den Alkohol aufgenommen. In klarem Wasser eine Viertelstunde auskochen, danach an der Luft auslüften lassen – meist ist der Geruch nach ein bis zwei Durchgängen weg. Künftig nur noch abwischen statt einlegen.

Was hilft gegen den milchigen Rand an der Wasserlinie?

Das ist Kalk, kein Harz. Zitronensäure oder verdünnte Essigessenz einfüllen, zehn bis zwanzig Minuten stehen lassen, dann gründlich spülen. Alkohol richtet dagegen nichts aus.

Darf mein Grinder über Nacht im Alkohol liegen?

Besser nicht. Zehn bis zwanzig Minuten reichen für das Harz. Bei längerem Bad leidet die Eloxalschicht, bunte Grinder verlieren Farbe, und der weiße Gleitring im Deckel quillt auf – falls du ihn nicht vorher abgenommen hast.

Wie reinige ich bedrucktes oder lackiertes Glas?

Innen ganz normal mit Alkohol, außen nur mit Wasser und Spülmittel. Ein alkoholgetränktes Tuch nimmt Siebdruck oft schon beim ersten Wischen mit.

Wie lange muss ein Teil ablüften, bevor ich es wieder benutze?

Bis nichts mehr zu riechen ist – bei Glas sind das Minuten, bei porösen Werkstoffen wie unglasierter Keramik oder Holz eher Stunden. Der Geruchstest ist zuverlässiger als jede Zeitangabe.

Wohin mit dem gebrauchten Reiniger?

Kleine Restmengen stark verdünnt in den Abfluss sind üblich. Größere Mengen und dunkel gesättigter Reiniger gehören in eine verschlossene Flasche und zum Schadstoffmobil oder Wertstoffhof – nicht in den Hausmüll.

Reiniger, Stopfen, Bürsten und Ersatzdichtungen findest du bei uns unter Bong-Reinigung & Pflege.

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